LUSTGARTEN – JARDIN DES DELICES

LG-Cluss.jpg

9. Juni bis 22. Juli 2018

LUSTGARTEN   
Jardin des Delices

„Die Lustgartenkunst ist nichts anderes als plastische Landschaftsmahlery“.
(E.T. Krug, Ästhetik oder Geschmackslehre, Leipzig 1823)

Header: Luzia Simons,  Jardin des Delices (Ausschnitt), 2018 © Luzia Simons

Im Unterschied zum privaten Nutzgarten, der der autonomen Selbstversorgung dient, stellt der säkularisierte LUSTGARTEN ein zweckfreies Refugium dar, das zum reinen (optischen) Vergnügen, zur intensiven Wahrnehmung „natürlicher Details“, zur Regeneration und häufig auch als Rückzugsort angelegt worden ist. Im Lustgarten werden die natürlichen Protagonisten nach ästhetischen Aspekten zusammengefügt und unterliegen einem ständigen Wandel, der teils jahreszeitlich bedingt ist, teils künstlich arrangiert wird. Der Lustgarten ist jedoch auch der Ort, in dem unterschiedliche Sinnesaktivitäten, ästhetische Wahrnehmung und eine intensive leibliche Empfindung aufeinander treffen können.

Die in der Ausstellung LUSTGARTEN vertretenen künstlerischen Positionen befassen sich zum einen mit der nach ästhetischen Kriterien „geformten“ und „gemachten“ Natur, wobei diese auch zum Labor und Experimentierfeld werden kann. Zum anderen werfen sie Fragen nach der Produktion von Lust und Begehren, nach natürlichen Prozessen und der Endlichkeit (des Körpers) auf.

fig.-2 KVN GARTENKOLLEKTIV 6/2018 © Janis Rozkalns
fig. 3+5: Tünde Kovàcs & Georg Winter: Steingarten, 1:1 Modell (Hegel), 2018
Das Gartenteam Kovàcs & Winter  geben ein Beispiel totalitärer Gartenkultur, die nur noch aus unterschiedlichen Steinsorten aus dem Baustoffhandel entsteht. Kovacs & Winters Steingarten ist ohne Pflanzen, ohne Tiere und zeigt die totale Naturbeherrschung durch Vernichtung (Bsp. Glyphosat) und damit „die Dialektik der mentalen Verfasstheit der deutschen Gartenkultur“.
Bei der Eröffnung wird im Steingarten eine Steinsuppe gekocht, zu der jede/r etwas hinzufügen kann. © Janis Rozkalns/ Kochaktion Steinsuppe © Janis Rozkalns

foto: roberto bulgrin 06. 06. 2018
Kunstverein Neuhausen, Rupert-Mayer-Stra§e: Lustgarten – das neue Ausstellungsprojekt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung LUSTGARTEN besteht aus drei Sektionen :

1. LUSTGARTEN – GARTENLUST
Im Außenraum der ehemaligen Rupert-Mayer-Kapelle:
JARDIN DES PARFUMS: Den Aspekt des öffentlichen (Kloster)Gartens will das aus KVN-Mitgliedern bestehende „Gartenkollektiv“ in einem Duftgarten realisieren, der in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung Neuhausens entsteht. Kräuter und Duftpflanzen aus Neuhausener Gärten werden dabei in den JARDIN DES PARFUM transplantiert. 
Wildwuchs und Disziplinierung thematisiert hingegen das Bureau Baubotanik, das ein baubotanisches Konzept für den Eingangsbereich des KV Neuhausen entwickeln wird.
Daneben gibt es zahlreiche Referenzen an historische Lustgärten, die, wie beispielsweise der Hohenheimer Lustgarten, zerstört wurden oder nur noch als Ruine existieren.
Mit Beiträgen von: Buraeu Baubotanik, Christoph Frick, Susanne Hofmann, Susan Kayser, Tünde Kovàcs & Georg Winter, Barbara Lörz, Monika Schaber, Kerstin Schaefer, Dorothea Schulz, Ulrich Seibt, Luzia Simons, Ute Woracek

fig 6: Ulrich Seibt, Laube # 04, 2018 (Schreber)
Moritz Schreber (1808-1861), ein führender Vertreter der „Schwarzen Pädagogik“, wurde nach seinem Tod zum Namensgeber der städtischen Kleingartenbewegung, die das Gegenbild zum ehemals feudalen Lustgarten bildet. Schreber wollte den neuen Menschen, durch Tätigkeiten in der frischen Luft, an Leib und Seele gesund, tugendhaft, sauber und strebsam halten. Der Aufklärung verpflichtet, war Schreber davon überzeugt, den Menschen durch Erziehung und durch selbstentwickelte disziplinierende Apparaturen formen zu können. Bereits zu Lebzeiten musste er jedoch sein Projekt durch Erfahrungen in der eigenen Familie für gescheitert erklären. Die Gartenlaube wird aus einem korsettartigen Bändersystem zusammengehalten und bietet Informationen zu den Erfindungen Schrebers an.
(Bändigung und Disziplinierung der inneren und äußeren Natur)

 

fig.7 Luzia Simons Jardim #10, 2018 © Roberto Bulgrin
fig.8: Luzia Simons, Jardim # 9, 2017  © Luzia Simons, Courtesy Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen

fig.9 Luzia Simons Jardim #10, 2018 / Beate Susanne Wehr, Fragaria (Verlockungen) 2018 © Kai Bauer
fig.10: Beate Susanne Wehr, Fragaria (Verlockungen) 2018 © Janis Rozkalns

2. MUSEUM DER ERSTARRTEN EKSTASE
Mit künstlerischen Beiträgen: Anja Franz, Marie Lienhard, Andreas Mayer-Brennenstuhl, Eva Schmeckenbecher, Herbert Stattler, Verstoffwechselt, Hannelore Weitbrecht, Albrecht Wild, Beate Susanne Wehr, Angelika Zeller
Die Vorstellungen vom Garten, aber auch die vom Körper, von Lust und Begehren sind immer etwas gesellschaftlich „Gemachtes“- und laut dem französischen Soziologen Michel Foucault „einer Politik der Zwänge“ unterworfen, die an den äußeren mehr oder weniger natürlichen Lebensbedingungen und speziell am Körper arbeiten, „seine Elemente, seine Gesten, seine Verhaltensweisen kalkulieren und manipulieren“. (Foucault, ÜuS 1994: 179f)

 

fig.11 Albrecht Wild, Kegelabend 2015 © Albrecht Wild
fig.12: Angelika Zeller, Wolken, Drei Spinnereien aus Haaren, 2017/18 @ Janis Rozkalns
fig.13: Andreas Mayer-Brennenstuhl:„LOVE TENT“- Ein Rückzugsort im öffentlichen Raum für Liebespaare ©Roberto Bulgrin
fig.14: Andreas Mayer-Brennenstuhl:„LOVE TENT“-. Ein Rückzugsort im öffentlichen Raum für Liebespaare ©AMB

3. VERKEHRTE PARADIESE zwischen gestern, heute und morgen
Unterschiedliche Typen des Lustgartens werden in der 3. Sektion vorgestellt, die u.a. mit dem alltagsästhetischen Repertoire von Gartencentern, Freizeitshops und Baumärkten rekonstruiert werden.
Mit künstlerischen Beiträgen: Beate Baumgärtner, Felix Boekamp & Co., Claude Horstmann, Helga Kellerer, Stephane Le Mercier, Susanna Messerschmidt, Pola Polanski.

fig.15: Helga Kellerer, „Gartenstück“ 2017/18 © Roberto Bulgrin3595

fig.17: Felix Boekamp feat. Gröger & Lazarevic, Ménage à trois (Brunnen mit Ventilatoren und Mikrobibliothek) 2018, Installation in situ
fig.18: Claude Horstman, Wir sind …, 2018 Installation in situ

_Wir_sind_Nhsen1

Eröffnung mit Gartenfest: Samstag, 9. Juni 2018, 19.30 Uhr
Ab 20.30 Uhr:  Akademische Betriebskapelle, Konzert & Performance
Das Künstlerteam „Verstoffwechselt“ verteilt Gebäck zum Inkorporieren mit Motiven aus Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“ (1503–1515)
Performance „Luftholen/Ein Bienenflug“ & „Bee Cause / Papiergarten“ von Kerstin Schaefer
Fotos Eröffnung © Janis Rozkalns und © Kai Bauer

 

ABK-1

Das Ausstellungsprojekt LUSTGARTEN wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung Kunst, Land Baden-Württemberg und von der Kommune Neuhausen/Fildern.

Wir danken für die Unterstützung durch Petra Kottmann, Tübingen; Kunsthaus Frölich, Stuttgart und Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen.

 

 

 

 

 

BEGLEITVERANSTALTUNGEN

Kooperation mit dem Bürgertreff im Ostertagshof

Donnerstag, 5. Juli 2018, 19 Uhr
VERLORENE PARADIESE

Timo Meyer, Monika Plattner, Kerstin Schaefer, Fabian Treiber
kuratiert von Barbara Lörz
Begrüßung :
Rolf Haas, 1. Vorsitzender des Bürgertreffs im Ostertagshof, 2. Vorsitzender des KVN
Einführung:
Susanne Jakob, Kunstwissenschaftlerin M.A. & künstlerische Leitung des KVN 

Dauer: 6.07. – 27.09.2018
Veranstaltungsort: Ostertagshof, Bäderstr. 1, 73765 Neuhausen/Fildern


Kooperation mit der Öffentliche Katholische Bücherei – Mediathek

Freitag, 6. Juli 2018, 20 Uhr
„Lustgärten der Renaissance – Der Pomeranzengarten in Leonberg“
Referentin: Christina Ossowski, Kunsthistorikerin
Musik: Lubos Ihring, Cembalo

Veranstaltungsort: Bildungszentrum Oberes Schloss, EG
Schlossplatz 7, Neuhausen/F.
Veranstalter: Öffentliche Katholische Bücherei – Mediathek, Schlossplatz 7, Neuhausen/F. Abendkasse: 8 Euro

fig.: Schickardts Idealplan des Pomeranzengartens von 1609. (Abb: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, N 220, A 72, 4) 

pomer2_gr

Sonntag,  22. Juli 2018, 15 Uhr
Finissage mit einem Vortrag des Bureau Baubotanik
Bauen mit der Natur
Ort: KVN PROJEKTRAUM, Rupert-Mayer-Str. 68B, 73765 Neuhausen/Fildern
Eintritt frei!

fig. Bureau Baubotanik, Theater of the Long Now, November 2017 © D. Brewing

DB_19112017_TTOLN_209.jpg

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s