KVN 2004

7. März – 30. März 2004
Mirja Wellmann >> Hörstationen

16. Mai – 27. Juni 2004
DRESSCODES

2. Oktober – 7. November 2004
Susanne Hofmann & Christoph Inderwiesen
Das Petzi-Syndrom

INFORMATIONEN

2. Oktober – 7. November 2004
Susanne Hofmann & Christoph Inderwiesen
Das Petzi-Syndrom

Eröffnung: Freitag, 1. Oktober 2004, 19 Uhr
Finissage: Sonntag, 7. November 2004, 16 Uhr
Ausstellungsdauer: 2. Oktober – 7. November 2004
Ort: Schloss Neuhausen, Galerie des KV Neuhausen, Schlossplatz 1

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DAS PETZI-SYNDROM ist ein „Zusammenschluß vorübergehender Eigentümlichkeiten“.
Susanne Hofmann (Stuttgart) und Christoph Inderwiesen (Köln) zeigen im Kunstverein Neuhausen anstelle eigener Werke Eigentümlichkeiten aus der Petzi-Welt.

Den Subtext für ihr Projekt bildet der gemeinschaftlich gezeichnete und getextete Comic „Petzi wird Künstler“, der zur Ausstellung erscheint. Darin erlebt Petzi – bekannt aus der gleichnamigen Kinderbuchserie – kontextverschoben Abenteuer im Kunstbetrieb. Dessen Mechanismen und Begleiterscheinungen werden uns durch den Protagonisten Petzi in ironisch gebrochener Form vorgeführt. Auf seinen Wegen und Irrwegen im „Betriebssystem Kunst“ begegnen ihm viele andere Tierfiguren, deren fabelhafte Ähnlichkeit mit lebenden Persönlichkeiten der Kunstszene nicht zufällig ist.

Vor dem Hintergrund dieser Geschichte wird der Kunstverein Neuhausen zur Plattform, auf der Versatzstücke und Zitate aus dem Comic in die Ausstellungsrealität überführt werden. So gibt es beispielsweise als dreidimensionales Zitat einen Pfannkuchenstand („fressen und gefressen werden“) oder ausgewählte Pseudorelikte, wie beispielsweise die „Kunst-Brille“ von Odu Frauenkittel ( = Udo Kittelmann), einen Nagel aus der Galerie Moni Spray ( = Monika Sprüth) oder den Ring von Professor Schnappertz ( = Markus Lüppertz).

Petzi ist ein Bär für alle Fälle!
Er eignet sich als Projektionsfigur für jede Lebenswirklichkeit. Daher bieten die beiden Künstler nicht nur im Vorfeld der Ausstellung „Basteln mit Petzi von 8 bis 80“ an, sondern integrieren zudem eine „Petzi-Schnitt-Stelle“ in ihrer Installation. Aus den Einzelteilen ihres Comics kann jede/r ihre/seine Bildgeschichte zeichnen, schneiden, kleben und texten. Alle Ergebnisse werden ausgestellt.
Wie auch in ihren bisherigen Gemeinschafts- oder Soloprojekten folgen Hofmann/Inderwiesen einem „erweiterten Kunstbegriff“, indem sie Phänomene der Alltagskultur untersuchen, Grenzbereiche der Kunst erforschen oder andere Menschen in ihre Arbeiten einbeziehen.

Herzlich willkommen in Petzis Kunst-Welt!

Finissage: Sonntag, 7. November 2004, 16 Uhr
Diskussionsrunde zum Thema „Betriebssystem Kunst“ mit Vertretern des Kunstbetriebs: Galeristen, Kuratoren, Künstlern und Kunstkritikern.
Der Comic „Petzi wird Künstler“ erscheint im Salon Verlag Köln.

16. Mai –27. Juni 2004

DRESSCODES

Eröffnung mit CAT & TOMCAT WALK am Freitag, 14. Mai 2004, 19 Uhr
Ausstellungsort: ehemaliger Supermarkt, Schlossplatz 4, 73765 Neuhausen/Fildern

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag: 19 – 21 Uhr. Sonntag: 11 – 17 Uhr
Nach Vereinbarung: T. 07158 . 17 00 – 0
Anfahrt Autobahn A 8 Stuttgart – München, Ausfahrt Esslingen – Neuhausen Richtung Ortszentrum, Parkmöglichkeiten am Schlossplatz/Rathaus (Bauarbeiten am Schlossplatz)

Catwalk /Tomcatwalk: Peter Haury (Artwear Kovacs Bezüge), Carola Willbrand (Artwear/ Performance), Kristina Lopez (Bernhard u.a.), Susanna Messerschmid (Blutsgeschwister), Bürgermeister Ingo Hacker (Hugo Boss), Ingrid Hartlieb/Platino (Schindler Design), Antonio Riello (Lalla/ künstler. Beitrag), Alfred Müller (Baldessarini), Petra v. Olschowski (Heide Ost), Andreas Edelmann (Rauschenberg/Hugo Boss), ehemaliger Supermarkt
Fotos: © Simianer, © Elke Eberle


Beteiligte Künstler:innen in der Ausstellung:
Daniele Buetti, CH, Lucia Dellefant , München, Sinje Dillenkofer , Stuttgart
Sylvie Fleury , Paris/Genf, Trixi Groiss , Köln, Viola Kiefner , Hamburg
Tünde Kovacs , Stuttgart/Budapest, Agnes Lörincz, Heilbronn
Josephine Meckseper, New York, Alfred Müller, Pforzheim, Antonio Riello, Marostica/Italien
James Rosenquist , New York, Tanya Ury, London/Köln, Carola Willbrand , Köln, Stefan Wischnewski , München

7. März – 30. März 2004
Mirja Wellmann >> Hörstationen>>
Hörstationen für bewusste Sinneserfahrungen und spielerische Vergnügen

„Zuletzt wurde er ganz still. Er wurde still, ja, was womöglich ein noch größerer Gegensatz zum Reden ist, er wurde ein Hörer.“  (Sören Kierkegaard, in: Dürckheim, S.75)


Eröffnung: Freitag, 5. März 2004, 19 Uhr

Anwendung der Hörstationen mit Mirja Wellmann
am Sonntag, 28. März 2004, ab 16 Uhr
2. Hörliniej

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Hörprotokolle
Mirja Wellmanns skulpturale Einlassungen in den Ausstellungsraum beginnen im leeren Raum, dessen Charakter sie zunächst über das Hören zu lokalisieren versucht.
Mehrere Tage hält sich die Künstlerin am selben Ort auf, um von verschiedenen Standpunkten aus die spezifischen Eigengeräusche des Raumes ( Schlagen der Heizung, Knacksen der Holzbalken), die den Raum umgebenden Naturgeräusche (Wind, Regen) und die Umweltgeräusche zu protokollieren. Jeder Positionswechsel im Raum hat wiederum neue Hörerfahrungen zur Folge…
Im Unterschied jedoch zur temporär existierenden, flüchtigen Musik, arbeiten bildende Künstler mit visuellen Mitteln. Die Materialisierung des Gehörten und damit auch dessen künstlerisch-visuelle Umsetzung findet bei Mirja Wellmann daher in unterschiedlichen skulpturalen Lösungen statt: In einer Art Lesesituation werden die abgehefteten Hörprotokolle auf grauen Regalbrettern präsentiert. Dafür wird das Gehörte in substantivierter Form in Blocksatz transkripiert. Das heißt, nicht die Geräusche selbst, sondern die Verursacher der Geräusche, Laute und Klänge werden als plastisch vorstellbareSubstantive je nach Dauer ihres Auftretens – als Textskulptur notiert. Da bei dieser Aufzeichnung jede Art von Syntax ausgeschlossen wird, entfalten die Hörprotokolle beim Lesen eine eigentümliche, minimalistische Poesie, die zum einen Vorstellungsbilder an bekannte Gegenstände; zum anderen auch Erinnerungen an Hörerfahrungen freisetzt.

Hörversuchsstationen
Bei den materialbezogenen, skulpturalen Einlassungen in den Raum, wie beispielsweise den Hörstationen mit Wartebänken, den Hörkreisen und Hörreihen, lädt Mirja Wellmann die Ausstellungsbesucher ein, ihre Hörerfahrungen selbst zu machen. Das Angebot an akustischenVersuchsstationen reicht von den aus tiefgezogenem Plexiglas gefertigten Hörkreisen und –reihen,
die von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden können bis hin zu den kabinenartigen Hörstationen, die zur singulären oder paarweisen Hörerfahrung dienen. Bei den Hörkreisen lässt der geringe Durchmesser/ Abstand die Nutzer in engen physischen Kontakt treten. Hierbei entsteht eine ganz spezielle Erfahrung, die der Franzose Michel Serres als >>>kollektive<<< oder soziale Hörerfahrung beschreibt.
Die singuläre Hörerfahrung wird hingegen in der Einzelkabine nachvollziehbar: Hier dringen die sozialen Umgebungsgeräusche nur in gefilterter und gedämpfter Form in den Hörhelm ein, so dass die Körpergeräusche des Hörers wie das Atmen und andere biochemische Aktivitäten bewusst werden. Eine erweiterte soziale Erfahrungsquelle – die sich mit dem >>>Feld des Anderen<<< schneidet – bietet die Doppelkabine oder Partnerzelle, die für non-verbale Kommunikation mit
Intimdistanz geschaffen wurde. Man ist ganz Auge und ganz Ohr in diesen helmartigen Behausungen, wobei auch die übrigen Sinnesorgane aktiv am bewußten Hören beteiligt sind. Mirja Wellmann zeigt in ihren skulpturalen Einlassungen, dass sich Skulptur und Plastik nicht nur über ein enormes Materialaufgebot und im rein Visuellem äußern kann, sondern, dass es sich beim Akustischen ebenfalls um ein materielles Objekt handelt, das seinen eigenen, eben nicht-visuellen Entfaltungsraum besitzt. Darüberhinaus fordern ihre skulpturalen Hör-Versuchstationen zu Handlungen auf, die bei den Benutzern bewusste Sinneserfahrungen und spielerische Vergnügen
auslösen.

Katalogtext: © Susanne Jakob