“Visionäre Räume – Spaces of Difference“

Header: Breathe Earth Collective, Österreichischer Pavillon (Ausschnitt), Expo Mailand, 2015; Foto: © Simon Oberhofer.

Für den französischen Kulturtheoretiker und Ethnologen Michel de Certeau gehören zu einer „gelungenen Raumproduktion nicht nur alltägliche (Überlebens-)Strategien“, sondern auch „differenzielle Praktiken“, die den planerischen Setzungen widerstehen und neue Möglichkeitsräume entstehen lassen. (Certeau 1980)

Im Ausstellungsprojekt „Visionäre Räume/ Spaces of Difference“ werden GrenzgängerInnen zwischen Bildender Kunst, Theorie und Architektur zusammentreffen:

Künstler, die architekturbezogen arbeiten und andere Erfahrungs- und Handlungsräume entwickeln. Architekten, die jenseits von zweckrationaler Architektur eine experimentelle Praxis etablieren und unter Einbeziehung nachhaltiger und/oder disruptiver Innovationen und Technologien visionäre Raumkonzepte formulieren. Diese können als Idee, als Modell und Versuchsanlage oder als konkreter Eingriff in urbane Zusammenhänge sichtbar werden.

  • Visionäre Räume/ Spaces of Difference findet an verschiedenen Orten statt:
  • Projektraum des Kunstverein Neuhausen als Umbauraum, Ausstellungs- und Informationsort
  • Umfeld des KV NEUHAUSEN
  • weitere Orte im Stadtgebiet, die von den Künstler*innen/Architekten*innen noch festgelegt werden.

Eröffnung: Samstag, 28. September 2019, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 29. September – 17. November 2019

VORTRAG
BREATHE EARTH COLLECTIVE
Sonntag, 29. September 2019, 15 Uhr
Eintritt frei

DISKUSSION
organisiert von Stadtlücken e.V.
Live Übertragung an den Österreichischen Platz in Stuttgart, den Stadtlücken seit 2017/18 durch Aktionen und Diskussionen aktiviert.

KVN PROJEKTRAUM
Rupert-Mayer-Str.68 B, 73765 Neuhausen/Fildern
kvnneuhausen.wordpress.com/kontakt
Öffnungszeiten: Samstag & Sonntag 14-18 Uhr
Nach Vereinbarung: kv.neuhausen(at)gmail.com

Das in Graz /A angesiedelte „Breathe Earth Collective wurde mit dem OUTSTANDING ARTIST AWARD 2018 des österreichischen Bundeskanzleramtes in der Kategorie „Experimentelle Tendenzen in der Architektur“ausgezeichnet.

© BREATHE EARTH COLLECTIVE

BREATHE EARTH COLLECTIVE
Karlheinz Boiger, Lisa Maria Enzenhofer, Andreas Goritschnig, Markus Jeschaunig, Bernhard König, Graz/A.
http://www.breatheearth.net
Instagram: @breatheearthcollective
Facebook: http://www.facebook.com/breatheearth

Das Grazer Kollektiv BREATHE EARTH vertritt einen interdisziplinären Ansatz und befasst sich in seiner ästhetischen Praxis mit Fragen der Ökologie (Biosphäre), des Urbanismus und der Technologie. Für die Versuchsanlage „AEROSOL WALL“ greift das BREATHE EARTH COLLECTIVE auf eine Produktionsmethode aus dem 19. Jahrhundert zurück, die ursprünglich zur Salzgewinnung (Gradierung) diente. Spezifische Eigenschaften der Gradieranlagen, werden nun nutzbar gemacht, um auf das Klima in den Städten Einfluss zu nehmen und die Lebens- und Luftqualität zu verbessern.
Die „Aerosol Wall“ des Grazer Kollektivs ist die erste Low-Energy Versuchsanlage in Europa, die die bisherige energieintensive Klimatisierung – in den Sommermonaten in den Städten – ersetzen soll.

Die erste Versuchsanlage des BREATHE EARTH COLLECTIVES entstand 2018 in Melbourne/Australien.
Die erste europäische Versuchsanlage „AEROSOL WALL“ soll anlässlich des Projekts „Visionäre Räume“ im Kunstverein Neuhausen (Metropolregion Stuttgart) entstehen.

Breathe Earth Collective wurde nach der erfolgreichen Umsetzung des österreichischen Pavillons auf der Expo 2015 in Mailand gegründet. Das Kollektiv arbeitet als offenes Netzwerk , das aus Designern, Künstlern & Architekten besteht und fungiert als „Think and Do-Tank“ für Experimente und die Gestaltung von Ökosystemen, die Pflanzen, Luft und Architektur integrieren. Luft und Klima als Medium und Quelle des Lebens sind für die disruptiven Innovationen von Breathe Earth Collective von zentraler Bedeutung.

Breathe Earth Collective was founded after their successful realization of the Austrian Pavilion at the Expo 2015 in Milan. The collective works as an open network of designers, artists and architects and function as „think and do tank“ for experimenting and designing ecosystems, which integrate plants, air and architecture. Air and climate as media and source of life is central for the disruptive innovations of Breathe Earth Collective.

BREATHE EARTH COLLECTIVE, AEROSOL WALL II, Konzept für Visionäre Räume, KV NEUHAUSEN 2019

Bureau Baubotanik
Hannes Schwertfeger & Oliver Storz, Stuttgart

http://www.bureau-baubotanik

Der Begriff Baubotanik wurde am Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen IGMA der Universität Stuttgart entwickelt. Er beschreibt ein interdisziplinäres Forschungs- und Betätigungsfeld für Architekten, Ingenieure, Geistes- und Naturwissenschaftler, die aus unterschiedlichen Perspektiven daran arbeiten, nachhaltige Bauten aus wachsenden Holzpflanzen zu konzipieren und herzustellen.

Das BUREAU BAUBOTANIK will ein Narrativ des ehemaligen Jesuitenareals (Umgebung des KVN PROJEKTRAUM) durch einen baubotanischen Eingriff rekonstruieren. Hierbei spielt die im Neuhausener Jesuitenkolleg in den 1930er Jahren gezüchtete Apfelsorte Kardinal Bea eine bedeutende Rolle. Am Beispiel des nach einem Kurienkardinal benannten Herbstapfel wird der Begriff „Kultur“ sowohl in ideeler als auch in räumlicher und (bau)botanischer Hinsicht neu beleuchtet.

KVN PROJEKTRAUM (eh. Jesuitenkapelle), Ursprüngliche Außensituation (2009), Foto: ststs (Schlichter/Stagel) 2009

FAMED
Sebastian M. Kretzschmar & Jan Thomaneck, Leipzig
http://famed.us/archive/

Famed ist ein in Leipzig ansässiges Künstlerduo, das seit 2003 besteht und sich in seinen zumeist textbasierenden Arbeiten und Interventionen (u.a. in öffentliche Räume) mit Fragen des Kunstbetriebs, aber auch mit historischen Ereignissen und Kontexten befasst.
Der Name „Famed“ ist eine Referenz an einen künftigen Erfolg, der in den künstlerischen Arbeiten immer wieder hinterfragt und ironisch gebrochen wird.

Der Kunstverein Neuhausen übernahm vor genau 10 Jahren (2009), die ehemalige Jesuitenkapelle am Ortsrand von Neuhausen als Projekt- und Ausstellungsraum. Inzwischen sind um die ehemalige Kapelle neue Gebäude entstanden und neue Siedlungsprojekte (Akademiegärten) in Angriff genommen worden.
Damit haben sich nicht nur die periphere Lage des KVN Projektraumes verändert, der mehr zum Zentrum gerückt ist, sondern auch die Bodenpreise. Der Kunstverein mit seinem Umfeld wird so zum begehrten Immobilienobjekt.
Das in Leipzig ansässige Künstlerduo FAMED wird eine/n Heiler/in in die Räume des Kunstvereins einladen, um diese „von negativen Energien zu befreien und energetisch neu zu justieren“. „Dabei werden Wand- und Bodenflächen mit positiven- und negativen Energiewerten ausgezeichnet. An der Stelle mit der höchsten positiven Energiekonzentration wird FAMED eine Videoarbeit präsentieren, die den beschriebenen Reinigungsprozess zeigt“- (Zit. nach Marcus Andrew Huttig, Galerie Senn, Wien).
Durch den Reinigungsakt wird der KVN PROJEKTRAUM „auf einen Nullpunkt zurückgesetzt, vergleichbar mit der Durchführung eines Resets an einem Computerserver“. Die Rückführung des Raumes auf den physikalischen Nullpunkt stellt eine neue Verbindung zu ihrem vormaligen spirituellen Gebrauch her und weist zugleich auch einer künftigen Nutzung den Weg, die unabhängig von ökonomischen Verwertungskreisläufen existieren könnte.

FAMED, Privileg der Umstände, Galerie Gabriele Senn, Wien/A © famed, Leipzig


office for subversive architecture (osa)
Britta Eiermann, Darmstadt/ Bernd Trümpler, München
http://osa-online.net/de

Die Gruppe „osa“ wurde 1995 als Studentenprojekt gegründet und ist bis heute eine freie Arbeitsgemeinschaft: Sie besteht aus acht Personen, die in England, Österreich und Deutschland leben. „Wir sind ein Netzwerk, physisch treffen wir uns fast nie“, sagt Britta Eiermann, die als Künstlerin, Architektin, Stadtplanerin, Szenografin und Installateuse tätig ist. Konzepte und Projekte der Gruppe werden im Internet entwickelt und über Skype kommuniziert. Es gibt kein Büro, persönlich trifft man sich höchstens mal an Raststätten oder in Kantinen. Die Arbeiten sind Experimente, es ist nichts vorgefertigt, das Büro arbeitet „kommerzfrei“.

britta eiermann | gastprofessorin bu wuppertal_public interest design | dipl.ing. architektur | installateuse | wissenschaftliche mitarbeit an der tu-darmstadt ||| osa-darmstadt

Mitglieder des Office for Subversive Architecture (OSA)

Stadtlücken e.V.
Mark Julien Hahn, Sebastian Klawitter, Carolin Lahode, Martin Mannweiler, Hanna Noller, Valerie Rehle, Stuttgart

http://www.stadtluecken.de/

Sommerkino am Österreichischen Platz 2018, Foto © Stadtlücken e.V.

Das aus Architekt/innen, Künstler/innen, Theoretiker/innen und Designer/innen bestehende Kollektiv verfolgt in der Stadtforschung Ansätze wie beispielsweise das Thema der Aneignung, Zweckentfremdung und Rekontextualisierung sowie die Idee der Raumerweiterung durch Selbstgestaltung und Partizipation.

Das Kollektiv Stadtlücken plant in der ehemaligen Kapelle eine Diskussionsebene in der Form des Österreichischen Platzes mit einem Durchmesser von ca. 7 m zu installieren. Diese symbolische Translokation eines in verkehrspolitischer, ökologischer und sozialer Hinsicht „toxischen Ortes“, soll die Grundlage für Diskussionen und Informationen bilden, u.a. mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Architektur, Stadt-und Regionalplanung, Umwelt- und Verkehrspolitik.

Das von Stadtlücken e.V. initiierte Beteiligungsprojekt „Ōsterreichischer Platz“ unter der Paulinenbrücke in Stuttgart wurde beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt“ in der Kategorie „Stadtraum“ mit dem 1. Platz ausgezeichnet.

Visionäre Räume/ Spaces of Difference wird kuratiert von Susanne Jakob, Kunstwissenschaftlerin M.A., künstlerische Leiterin des KV NEUHAUSEN und
Florian van het Hekke, Dipl. Ing, Architekt/BDA und akademischer Mitarbeiter in der Klasse für Entwerfen Architektur und Design in der Fachgruppe Architektur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart

Visionäre Räume/Spaces of Difference wird gefördert von:
Stiftung Kunstfonds, Ministerium für Wissenschaft, Forschung & Kunst, Kommune Neuhausen/Fildern und INNOVATIONS
CLUB im KV NEUHAUSEN e.V.

Mit freundlicher Unterstützung:
Herr Bayer, Gemeinschaft für Heimatgeschichte e.V.
VAYU-Personalberatung, Nürtingen

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